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<title>Adonischer Vers</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Adonischer Vers</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der <b>Adonische Vers</b>, auch <b>Adonius</b> [<style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r227981795">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA"><a href="Liste_der_IPA-Zeichen" title="Liste der IPA-Zeichen"><span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)" lang="zxx">aˈdoːni̯us</span></a></span></span>] oder <b>Adoneus</b> [<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA"><a href="Liste_der_IPA-Zeichen" title="Liste der IPA-Zeichen"><span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)" lang="zxx">adoˈneːʊs</span></a></span></span>], ist ein fünfsilbiges <a href="Verslehre" title="Verslehre">Versmaß</a> antiker Herkunft, das aus einem <a href="Daktylus" title="Daktylus">Daktylus</a> und einem <a href="Troch%C3%A4us" title="Trochäus">Trochäus</a> besteht (—◡◡ | —◡), seltener mit einem <a href="Spondeus" title="Spondeus">Spondeus</a> statt des Trochäus (—◡◡ | ——).
</p><p>Benannt ist der Adonische Vers nach den Liedern um den Tod des <a href="Adonis" title="Adonis">Adonis</a>, nämlich nach dem Klageruf <span lang="grc-Grek" class="Grek">ὦ τὸν Ἄδωνιν</span> (<i>o ton Adonin</i> „Ach, der Adonis!“), der diesem Metrum entspricht.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Antike_Dichtung">Antike Dichtung</h2></div>
<p>Der Adonische Vers wird vor allem am Ende der <a href="Sapphische_Strophe" title="Sapphische Strophe">Sapphischen Strophe</a> verwendet. <a href="Stichisch" class="mw-redirect" title="Stichisch">Stichisch</a> gereiht verwendet ihn <a href="Boethius" title="Boethius">Boethius</a> am Ende des ersten Buchs seiner <a href="Consolatio_philosophiae" class="mw-redirect" title="Consolatio philosophiae">Consolatio philosophiae</a>; die ersten Verse:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Nubibus atris<br>
Condita nullum<br>
Fundere possunt<br>
Sidera lumen
</p>
</div>
<p>„Die von dunklen Wolken verborgenen Sterne können kein Licht verbreiten“.
</p><p>Im daktylischen <a href="Hexameter" title="Hexameter">Hexameter</a> ergibt sich, wenn dieser eine <a href="Dih%C3%A4rese" title="Dihärese">bukolische Dihärese</a> aufweist, als Ausklang ein Adoneus, wie beispielsweise in Vers 926 des zwölften Buchs von <a href="Vergil" title="Vergil">Vergils</a> <i><a href="Aeneis" title="Aeneis">Aeneis</a></i> (deutsch von <a href="Wilhelm_Hertzberg" title="Wilhelm Hertzberg">Wilhelm Hertzberg</a>):
</p>
<dl><dd><i>Per medium stridens transit femur. Incidit ictus</i></dd>
<dd>—◡◡ | —— | —— | —◡◡ ‖ —◡◡ | ——</dd>
<dd><i>Fährt mit Gezisch er mitten durchs Bein. Hin stürzte getroffen</i></dd></dl>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Deutsche_Dichtung">Deutsche Dichtung</h2></div>
<p>Wie in der antiken Dichtung ist der Adonische Vers auch in der deutschen Dichtung hauptsächlich in der Nachbildung der sapphischen Strophe verwendet worden. Darüber hinaus wurde er aber auch in anderen Strophen verwendet und von einigen Dichtern darüber hinaus stichisch genutzt. Auch in freier gestalteten Gedichten spielt er als häufig wiederkehrende metrische Klausel eine Rolle. In der deutschen Dichtung ist der adonische Vers oft nicht von einem katalektischen daktylischen Zweiheber zu unterscheiden; weitere Beispiele finden sich daher unter dem Eintrag <a href="Daktylus" title="Daktylus">Daktylus</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Strophische_Verwendung">Strophische Verwendung</h3></div>
<p>Die sapphische Strophe im Deutschen nachzubilden, erwies sich als schwierig; im Barock wurde die Strophe daher auf verschiedene Art abgewandelt, unter den entstandenen Strophen war auch diese:
</p>
<dl><dd>—◡◡—◡ | —◡—◡—◡</dd>
<dd>—◡◡—◡ | —◡—◡—◡</dd>
<dd>—◡◡—◡ | —◡—◡—◡</dd>
<dd>—◡◡—◡</dd></dl>
<p>Der in der sapphischen Strophe an dritter Stelle sich befindende Daktylus wird an die erste Stelle vorgezogen, nach der fünften Silbe gibt es eine <a href="Z%C3%A4sur" title="Zäsur">Zäsur</a>; dadurch wird der Adonische Vers in jedem Vers der Strophe hörbar. In der geistlichen Lieddichtung wurde diese Strophe zum Beispiel von <a href="Paul_Gerhardt" title="Paul Gerhardt">Paul Gerhardt</a> für <i><a href="Lobet_den_Herren_alle%2C_die_ihn_ehren" title="Lobet den Herren alle, die ihn ehren">Lobet den Herren alle, die ihn ehren</a></i> verwendet. In der weltlichen Dichtung fand das <i>Hochzeitslied</i> (1630) von <a href="Johannes_Plavius" title="Johannes Plavius">Johannes Plavius</a> weite Verbreitung. Die erste Strophe:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Lustige Saphho, lass die Saiten klingen,<br>
Edele Musen, fanget an zu singen,<br>
Liebliche Nymphen, schicket euch zu springen,<br>
Tanzen und scherzen.
</p>
</div>
<p>In späteren Barock-Gedichten wurde für diese Strophe häufig das Reimschema aabb genutzt; im 19. Jahrhundert wurde sie gelegentlich reimlos gestaltet. Die dritte Strophe von <a href="Ernst_Moritz_Arndt" title="Ernst Moritz Arndt">Ernst Moritz Arndts</a> <i>Mimerung unter deutschen Eichen</i> (1846):
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Hundert und tausend, wie des Blitzes Funken<br>
Fliegen, so flogen Vögel heißer Schwingen<br>
Mir um den Busen, hiehin, dahin flatternd,<br>
Mächtige Wühler.
</p>
</div>
<p>Der Adonische Vers ist auch Schlussvers in einer Strophe, die dieser und der saphhischen Strophe verwandt ist, den Daktylus aber nicht an erster oder dritter, sondern an zweiter Stelle hat; siehe den Eintrag <a href="Phal%C3%A4kischer_Vers" title="Phaläkischer Vers">Phaläkischer Vers</a>. Hauptvers ist der Adonische Vers in folgender Strophe:
</p>
<dl><dd>—◡◡—◡</dd>
<dd>—◡◡—◡</dd>
<dd>—◡◡—◡</dd>
<dd>—◡◡—</dd></dl>
<p>Auf drei Adonische Verse folgt ein die Strophe fest schließender <a href="Chorjambus" title="Chorjambus">Chorjambus</a>. Als Beispiel die dritte Strophe von <a href="Martin_Greif" title="Martin Greif">Martin Greifs</a> <i>Winteranfang</i>:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Ach, und ihm wehret<br>
Kaum mehr die Sonne,<br>
Wie es noch gestern<br>
Sichtbar geschah.
</p>
</div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Stichische_Verwendung">Stichische Verwendung</h3></div>
<p><a href="Johann_Christoph_Gottsched" title="Johann Christoph Gottsched">Johann Christoph Gottsched</a> hat 1730 in seinem <i>Versuch einer kritischen Dichtkunst</i>auf die Möglichkeit hingewiesen, deutsche adonische Verse zu bilden und stichisch zu reihen: „Sie bestehen nämlich aus einem Daktylus, und einem Spondäus, oder an der Stelle dieses letztern, einem Trochäus, und klingen in scherzhaften Sachen sehr lieblich.“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er gibt ein gereimtes (16 Verse) und ein ungereimtes Beispiel (17 Verse). Ein Ausschnitt:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Reizet und locket<br>
Junge Gemüter,<br>
Liebliche Künste,<br>
Singen und Spielen,<br>
Dichten und Reimen<br>
Fleißig zu lernen.
</p>
</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Ivo_Braak" title="Ivo Braak">Ivo Braak</a>: <i>Poetik in Stichworten.</i> 8. Auflage. Bornträger, Stuttgart 2001, ISBN 3-443-03109-9, S. 142 f.</li>
<li><a href="Dieter_Burdorf" title="Dieter Burdorf">Dieter Burdorf</a>, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Metzler Lexikon Literatur</cite>. Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2007, ISBN 978-3-476-01612-6.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Adonischer+Vers&amp;rft.btitle=Metzler+Lexikon+Literatur&amp;rft.date=2007&amp;rft.edition=3.%2C+v%C3%B6llig+neu+bearbeitete&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783476016126&amp;rft.place=Stuttgart+%2F+Weimar&amp;rft.pub=J.+B.+Metzler" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Otto Knörrich: <i>Lexikon lyrischer Formen</i> (= <i><a href="Kr%C3%B6ners_Taschenausgabe" title="Kröners Taschenausgabe">Kröners Taschenausgabe</a>.</i> Band 479). Kröner, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-47901-X, S. 1.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Johann Christoph Gottsched: Versuch einer kritischen Dichtkunst, Breitkopf, Leipzig 1730, S. 477.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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